Hier ist ein Beitrag vom ORF über unsere Krankheit.

https://oe1.orf.at/player/20180514/513579

 

 

 

 

Blasenentzündung

Das Problem mit der Blase ist natürlich mit der neurologischen Grundkrankheit vergesellschaftet.

 

Meist besteht die Kombination von überaktiver Harnblase und überaktiver Schließmuskel.

 

Hierdurch kann es zu einer erhöhten Drangsymptomatik mit Harninkontinenz kommen.

 

Wenn Keime in der Blase sind, werden diese dadurch stärker in die Blasenschleimhaut gedrückt(Infekte).

 

Selten kann es auch zu einer Nierenbeckenentzündung bei Rückfluss von Harn ins Nierenbecken kommen.

 

Je nach Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Blasenentleerungsstörung mit Restharnbildung kommen.

 

 

 

Deshalb sollten neurologische Pat. mit Blasenproblemen durch einen Urologen mitbetreut werden, um

 

1.      Eine Beurteilung der Blasenfunktion durchzuführen durch

 

a.       Harnkontrolle, Ultraschall, Miktions-und Trinkprotokolle

 

b.      Beurteilung des oberen Harntraktes(Niere): Steine, Zysten, Tumore etc.

 

2.      Ggf. Blasenspiegelung zur Abklärung weiterer Ursachen(Blasensteine, Divertikel, Tumore)

 

3.      Ggf. Urodynamische Abklärung der Blasenfunktion

 

 

 

Bei Pat. mit ISK können aus unterschiedlichen Ursachen vermehrt Infekte auftreten.

 

Deshalb sollte, wie oben erwähnt, zunächst eine urologische Abklärung erfolgen.

 

 

 

Bei rezidivierenden Infekten stellen sich folgende Fragen:

 

Gibt es Antibiogramme?

 

Welche Keime treten auf? Reinfekte mit immer dem selben Keim oder neue Keime?

 

Wie lange (ausreichend lang?) wurde in welcher Dosierung(im oberen Dosisbereich!) behandelt?

 

 

 

Wenn keine Pathologie gefunden werden, sollte die Art und Weise des ISK abgefragt werden.

 

Technik und Material:

 

Welcher Katheter? Probleme damit?

 

ISK-handling: Probleme? Ggf. erneute Schulung

 

Ggf. Umstellung/Anpassung der Behelfsmittel oder des Lebensstils.(Wo wird wann wie katheterisiert?)

 

 

 

Als nächstes kann eine Prophylaxe durchgeführt werden:

 

altes Erregerspektrum beachten!

 

Bei E.coli: Uro-Vaxom

 

Bei untersch. Keimen: StroVac

 

Medikamente(z.B. Nitrofurantoin)

 

Pflanzliche Präparate: CranberryPräparate, Kapuzinerkresse+Meerrettichwurzel

 

Harnansäuerung

 

Intravesikale GAG-Ersatztherapie

 

 

 

Wichtig ist immer gute Kommunikation zwischen Pat. und Urologen/ behandelnden Ärzten.(Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder –therapien).

 

 

 

Dr. med. Kerstin Rautenberg

 

Oberärztin

 

 

 

Urologische Abteilung

 

Landeskrankenhaus Bregenz

 

Carl-Pedenz-Str. 2, A-6900 Bregenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PNF, Bobath Therapie

 

Frage von Didi an Frau Dr. Bösch: Sehr geehrte Frau Prof. Bösch, was halten sie von der PNF und Bobath Therapie für unsere Krankheit?

 

Antwort von Prof. Bösch, Uni Innsbruck:

 

Stellungnahme Gudrun Schönherr, Leitende Therapeutin, Univ. Klinik für Neurologie Innsbruck:

 

Sowohl Bobath als auch PNF sind sogenannte neurophysiologische

Therapiekonzepte, die ihre Ursprünge in den 50-80er Jahren beruhend auf den damaligen empirischen Beobachtungen haben und mit den damals verfügbaren neurologischem Hintergrundwissen unterfüttert wurden. Die damaligen Ideen waren stark reflextheoretisch und Hirnebenen-hierarchisch orientiert. Also viel Input-Output und hemmend-fazilitierend. Das heißt Spastik hemmen und Motorik anbahnen.

 

 

 

Diese Konzepte verbreiteten sich im Folgenden sehr stark und wurden und werden in Europa, Amerika und Asien von 80 % der neurologisch tätigen Therapeuten angewandt. Wodurch dies ja nun die normale Physiotherapie darstellt - deshalb ist die Frage kniffelig ...

 

 

 

In den 90ern - 2000er Jahren wurden diese Konzepte durch die explodierende Zahl an Studien zum motorischen Lernen in Frage gestellt und

 

neue evidenzbasierten Konzepte entwickelt. Als Folge wurden nun die neuen Erkenntnisse in die klassischen Konzepte eingebaut und auch als "neues Bobath" verkauft. Dies kann man als mehr oder weniger seriös sehen ...

 

 

Wir versuchen in unserem Haus nicht nach "Konzepten" mit irgendwelchen Namen zu arbeiten, sondern ausschließlich jene Maßnahmen zur Anwendung kommen zu lassen, für die es den jeweils aktuellen wissenschaftlichen Nachweis gibt.

 

Das sind derzeit:
- aufgabenorientiertes "task-oriented" Training
- repetitives Training

 

-

forced Used


- Spiegeltherapie
- funktionelle Elektrostimulation
- mentales Training
- rhythmisch akustische Stimulation
- Krafttraining
- Ausdauertraining
- Dehnung
- koordinatives Training
- etc., ohne Anspruch auf Vollständigkeit ...

 

Diese Therapieformen werden je nach neuester Evidenz laufend erweitert.

 

Das heißt, eigentlich sind die im Mail angefragten Therapieformen ja die alten und die jetzt von uns eingesetzten Therapieformen neu, aber für viele noch nicht normal ...

 

 

 

 

Gudrun Sylvest Schönherr, MSc
Leitende Physiotherapeutin
Univ. Klinik für Neurologie, Innsbruck

 

Neues von Frau Prov. Auer-Grumbach auf meine Anfragen

 

Was ist die richtige Bezeichnung für unsere HSP Krankheit wenn sie vererbt wurde. Meine Ärztin schreibt immer Paraparese. Es gibt auch
den Ausdruck Paraplegie. Es gibt auch unterformen wie FSP und SSP

Alle Bezeichnungen sind in Ordnung, es gibt verschiedene Klassifikationen

 

Was halten sie von den Medikamenten Madopar, Cymbalta und Magnesium. Ist ein Stützstrumpf auch gut gegen spastik.

Cymbalta ja, wenn auch Schmerzen bestehen.
Madopar hilft bei der klassischen HSP sicher nicht, Stützstrümpfe auch nicht. Magnesium ist kein Hilfsmittel gegen Spastik und Kloni.

 

Von Frau Prov. Dr. Auer-Grumbach

Bzgl. Therapie-Medikamente zu HSP: das ist schwer zu sagen, da es große
individuelle Unterschiede gibt.
Bei manchen wirkt schon Sirdalud antispastisch, bei anderen wieder
Lioresal oder es wirkt auch nicht und macht nur müde.
Ich habe zuletzt auch schon Gabapentin oder Lyrika verordnet (vor allem
wenn auch Schmerzen dabei waren bzw. eine Polyneuropathie), dabei gab es
recht gute Rückmeldung.

Botox hat sich nur bewährt, wenn ein oder wenige Muskeln besonders stark
von der Spastik betroffen sind, das kann zumindest schmerzlindernd sein.
bei HSP sind aber meist viele Muskeln betroffen und wenn man alle mit
Botox behandeln würde, könnte man tatsächlich wahrscheinlich
vorübergehend wegen fehlender Kraft nicht mehr gehen....